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Jetzt geht es wirklich los

Ist Faulheit auch eine Krankheit? Eigentlich wollte ich ja schon letztes Jahr anfangen zu schreiben, aber irgendwie ist mir immer wieder „etwas dazwischen gekommen“ Wer jetzt Böses denkt, dem wünsche ich die Pest an den Hals, ok? J)))))))

 

Nein, ich bin ja nicht hier, um mir zu wünschen, das jemand krank wird, auch wenn es mich aus Sicht einer Krankenschwester vor Arbeitslosigkeit bewahren könnte, sondern ich möchte meine Erfahrungen weitergeben.

 

Was ist Krankheit und Gesundheit? Mich interessieren nicht die offiziellen Definitionen der WHO, sondern eigene Sichtweisen, wie wir sie bei uns selber erleben. Wann fühlen wir uns krank, wann fühlen wir uns gesund. Denken wir, wenn wir gesund sind darüber nach, oder nehmen wir es als selbstverständlich?

3 Kommentare 23.6.08 11:29, kommentieren



Warum wollen wir gesund sein?

„Das wichtigste ist, dass Du gesund bleibst“ – wer hat diesen Satz nicht schon gehört oder selber verwendet. Ist es wirklich das wichtigste? Was bedeutet Gesundheit denn eigentlich? Glück? Reichtum? Ansehen? Macht? Ich denke doch eher nicht. Wofür ist es die Grundlage? Warum wollen wir gesund sein?

Es gibt erfolgreiche Menschen, die viel Geld in ihrem Leben verdient haben, eine Menge Anerkennung bekommen haben, und trotzdem ständig krank waren. Ja manchmal scheint es sogar so zu sein, dass die Krankheit erst die Grundlage für den Erfolg geschaffen hat. Von Jörg Immendorf bis Stephen Hawkins gibt es eine lange Reihe von berühmten und erfolgreichen „Kranken“. Natürlich gibt es bestimmte Berufe, die man nur bei völliger körperlicher und geistiger Gesundheit ergreifen kann, aber es sind nicht die Mehrzahl der Berufe.

Der Wunsch nach Gesundheit hat also logisch gesehen mit den menschlichen Bedürfnissen nach Wohlstand, Macht und Anerkennung nichts zu tun.

1 Kommentar 24.6.08 09:40, kommentieren

Warum wollen wir gesund sein? Teil 2

Krankheiten können Schmerzen bedeuten. Haben wir davor Angst? Eventuell können wir nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und müssen uns in einem anderen Umfeld einrichten. Ich glaube, es ist nicht der wahre Grund, weshalb wir uns wünschen gesund zu sein. Es gibt Menschen, die haben Angst sich auch nur über Krankheit zu unterhalten. Die Vorstellung von Krankheit ist für die so bedrohlich, dass sie Schweißperlen auf der Stirn bekommen, wenn man ihnen von Krankheiten erzählt. Man möchte fast meinen, sie denken, dass schon ein Gespräch ansteckend wirken könnte. Es muss etwas Großes, etwas Bedeutenderes sein, dass sie so in Panik versetzt.

 

Krankheit kann ja nicht nur Schmerz, sondern auch Tod bedeuten.  Sich mit Krankheit auseinanderzusetzen, bedeuted auch gleichzeitig, mit der Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert zu werden. In den Momenten, wo wir krank im Bett liegen, werden wir uns unserer Verletzbarkeit bewusst und wir sehen, dass Gesundheit nur ein Geschenk der Natur ist, das sie von uns irgendwann zurückfordern wird.

 

Ich glaube, der Wunsch nach Leben ist bei uns verknüpft mit dem Wunsch nach Gesundheit. Wir wollen nicht wissen und nicht darüber nachdenken, dass wir alle eines Tages gehen, sondern unbeeinflusst davon unser Leben genießen.

3 Kommentare 24.6.08 11:23, kommentieren

Krankheit nutzen

In unserer Zeit wird Krankheit nur als Nachteil angesehen, aber das ist falsch. Wir sollten lernen Krankheiten als Zeichen des Körpers zu verstehen und zu fragen, was sie bedeuten. Es gibt tonnenweise Literatur darüber, doch ich glaube, keiner hat die Bücher je gelesen oder verstanden. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir uns nicht darüber freuen, wenn wir krank werden, doch sollten wir statt traurig zu sein, die Chancen nutzen, die sich hinter einer Krankheit verbergen.

 

Ich kann jetzt hier nicht für jedes Krankheitsbild die entsprechende Bedeutung erklären, dazu fehlt mir die Zeit und das Wissen, aber ein paar kleine Beispiele kann ich geben.

 

Alle Krankheiten, die einen ans Bett fesseln, zwingen einen zur Ruhe. Ruhe, die wir unserem Körper vorher zu wenig gegeben haben und die er nun einfordert. Natürlich kann man jetzt mit modernen Arzneien den Körper schnell wieder auf Touren bringen, doch dann ignoriert man, dass wir mit dem Krankwerden gleichzeitig eine Botschaft erhalten haben, nämlich die Botschaft, langsamer zu machen und in sich zu gehen.

Diese Zeit kann man nutzen um nachzudenken, was man in der letzten Zeit vielleicht falsch gemacht hat, wo man übereifrig vielleicht Dinge gesagt hat, die man bei genauem überlegen vielleicht anders hätte sagen sollen, ob man Entscheidungen getroffen hat, die nicht weise waren oder ob man Gewohnheiten hat, die man ändern sollte.

Wenn man die Zeit der Krankheit auf diese Art nutzt, über sein Leben nachzudenken und vielleicht, wenn man gesund ist, einige Dinge anders zu machen als bisher, dann ist schon viel geholfen.

2 Kommentare 25.6.08 14:48, kommentieren

Was ist gesund?

Ich wollte ja darüber schreiben, was „gesund“ sein bedeutet und was „gesund „ ist. In den letzten Blogbeiträgen habe ich ja schon etwas dazu geschrieben, das einem eine Vorstellung vermittelt, aber eine Antwort auf die Frage habe ich ja noch nicht gegeben.

 

Natrülich kann es ein, dass ich nach ein paar Jahren mehr als Krankenschwester anders denke, weil ich mehr Erfahrungen gesammelt habe, aber ich will euch sagen, wie ich es jetzt sehe.

 

Ich habe für ein paar Wochen in einem Krankenhaus auf der Station gearbeitet und hatte Gelegenheit mich mit Patienten zu unterhalten, die schon längere Zeit dort in Behandlung waren. Manche von ihnen müssen regelmäßig wieder kommen, ihr ganzes Leben lang, entweder, weil sie zur Dialyse müssen, oder weil sie chronische Krankheiten haben.

Die meisten von ihnen haben trotz der schwieirgen Situation, in der sie sich befinden, nie den Humor verloren. Natürlich war es oft eine Form von Galgenhumor, aber sie haben gelacht, und das zu sehen, war für mich wichtig. Es hat nicht nur den Patienten geholfen, ihr Schicksal leichter zu machen, sondern auch mir, meine Arbeit mit mehr Spass zu erledigen.

 

Wenn ich am Abend mit der Bahn nach Hause fahre, dann sehe ich in müde und ernste Gesichter von Menschen, die den ganzen Tag gearbeitet haben, die sich auf ihren Feierabend und auf ihr Zuhause freuen. Aber freuen sie sich wirklich, ich glaube fast nicht. Wenn ich die Gesichter meiner Patienten vergleiche, mit den Gesichtern, die mir jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit begegnen, dann frage ich mich, wer hier eigentlich gesund und wer krank ist.

 

Ich glaube, zum gesund sein gehört viel mehr, als nur nicht krank zu sein.

2 Kommentare 26.6.08 11:33, kommentieren