Ärztebewertung – Kummer für Ärzte

Eine neue Internet-Praktik erobert Deutschland im Sturm. Immer mehr Bewertungsportale versprechen zukünftigen Patienten den direkten Weg zum kompetentesten und günstigsten Mediziner für sie zu erleuchten. Diese Entwicklung kündet, laut Betreibern solcher Websites, den Anbruch einer neuen Etappe in der Arzt‑Patient‑Beziehung an.

 

Patienten empfangen die Initiative der Ärztebewertung mit Enthusiasmus, Mediziner sind dagegen eher zurückhaltend. Die Letzteren sind gar nicht begeistert von der wachsenden Anzahl der Websites die Patienten dazu affordern sich online über ihre Heilberufler zu äussern und diese zu bewerten. Niemand mag es hinsichtlich seiner Leistung bemängelt zu werden. Die Empfindsamkeit steigt desto mehr wenn eine eventuelle schlechte Bewertung negative Auswirkungen auf die künftige Aktiviät haben kann, besonders da die Anonymität des Internets geradezu diese Art von regellosen “jedes Mittel ist erlaubt”-Kritik fördert, zumindest nach Aussage einiger beunruhigter Mediziner. Aber diese Einstellung scheint sehr kurzsichtig zu sein. Anstatt zu versuchen die Internetbenutzer davon abzuschrecken online ihre Meinung zu äussern, würden es die Ärzte besser haben solche Bewertungsportale als Recherche zu benutzen, um festzustellen was ihre Patienten so von ihnen denken.

 

Selbstverständlich ist die von solchen Bewertungsprotalen gewonnene Information subjektiv, aber warum sollte ein gebildeter Computer-user sie deshalb ausschliessen? Besonders da wo diese Information auch schmerzhaft benötigt wird. Patienten bezahlen immer mehr für ihre Krankenversicherung und da steigen natürlich exponentiell auch die Erwartungen. Aber die Arztsuche fällt einem da nicht einfach. Es ist fast unmöglich vor der Behandlung die Höhe des Beitrages einzuschätzen und die vergebliche Suche nach einer anständigen Auskunft über die Kompetenz des Arztes kann einen glatt in den Wahnsinn treiben. Ich glaube wir alle sind uns einig: wir brauchen seriöse Hilfsmittel um das Können unsere Heilberufler auszuwerten und um die Transparenz der Preisgestaltung aufzubessern.

 

Hier kommen die obenerwähnten Bewertungsportale ins Spiel. Gesundheitswebsites wie z.B. Imedo haben es auf sich genommen die Ärzte Deutschlands aufzulisten und deren Zuverlässigkeit undKompetenz zu messen. Mit einem Verzeichnis von über 11900 Ärzten in allein München, gehört Imedo meiner Meinung nach zu den komplexesten Arztsuche-Portals im Internet. Mit einem Kribbeln in den Fingern, habe ich mich natürlich auch auf www.imedo.de eingeloggt und habe da mal in ihrem Ärzteverzeichnis rumgeklickt, in voller erwartung auf fliegenden Fäusten. Was ich aber fand überraschte mich durchaus: die Mehrheit der Patienten aus München, z.B. wollte dass die Welt erfährt wie zufrieden sie von ihrem Heilpraktiker sind. Die Leute gehen da oft gar zu ermüdenden Berichten über,  um ihren Doktor positiv zu bewerten und desen Krankenbettmanieren zu loben. Also sollten die Ärzte vielleicht doch mehr Interesse und weniger Verachtung gegenüber solcher Arztemfehlungsportale zeigen. Manchmal ist es besser dem Patienten zuzuhören als ihn zu kontrollieren.

 

7.10.08 11:47

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ulrike / Website (13.11.09 16:24)
Ich stelle immer wieder fest, dass die meisten Patienten (habe sehr viele schweizer Patienten die mich tatsächlich über das Internet finden)über die Ortssuche gehen. Dort listet Google lokale Branchenergebnisse mit Bewertungen auf. Wenn imedo.de sich dort unter den entsprechenden Orten aufgeführt würde, gäb es noch viel mehr Zugriffe auf dortige Beurteilungen.


cailg / Website (2.8.11 10:53)
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